Netto – Wie man den Anschluss halten könnte

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Der Discounter aus Bayern

1983 eröffnete die erste Filiale mit dem heutigen Netto Filialkonzept in Regensburg. Das erste Logistikzentrum des Unternehmens wurde in Ponholz gebaut und dient noch heute als Firmenzentrale. Netto Markendiscount hat heute ca 70.000 Mitarbeiter und macht etwa 12 Milliarden Euro Umsatz . Mit seinen knapp 4000 Filialien ist der Discounter in der Anzahl der Märkte die klare Nummer eins in Deutschland. Im Jahre 2005 wurde Netto an die EDEKA verkauft. Um den Discounter für das Rennen gegen Aldi und LIDL stark zu machen, einigte Sich EDEKA mit Tengelmann Eigentümer Karl-Erivan Haup 2007 darauf ein Gemeinschaftsunternehmen von Netto und Tengelmann Tocher „Plus“ zu bilden. Seit 2009 gehört Plus dadurch offiziell zur EDEKA Gruppe. Mitte 2010 begannen die letzten Umstellungen, so dass alle 2300 Plus Märkte nun das Netto Logo tragen. EDEKA gehören allerdings nur 85 %, denn die letzten 15 % gehören weiterhin dem Tengelmann Eigentümer. Man versteht vielleicht nun warum Karl Erivan 2015 beteuert hat, er könne sich nur EDEKA als Käufer für seine Kaisers Tengelmann Märkte vorstellen.

Alte Gewohnheiten

Als ehemaliger Mitarbeiter gehe ich auch heute noch gerne zu Netto einkaufen. In meiner nun mehrjähriger Abstinenz habe ich privat aber auch andere Läden ausprobiert und vor allem auch beruflich viele Einkaufsstätten verschiedenster Handelsunternehmen besucht. Natürlich betrachte ich weiterhin jedes Geschäft mit der kritischen Brille die eben mit meinem alten Job einherging aber zu Gute kam mir dabei der Abstand zum Tagesgeschäft.  Denn nur dieser Abstand ermöglicht Dir einen freien Blick auf die Gegebenheiten. Das ich auch heute noch bei Netto einkaufen gehe, hat im wesentlichen drei Gründe:

  1. Ich weiß wo ich die Artikel finde die ich Suche
  2. Der Parktplatz ist oft so leer, dass ich direkt neben dem Eingang parken kann
  3. An der Kasse ist nie eine Schlange wodurch ich immer schnell wieder draußen bin

Auch wenn Ich in einer Partnerschaft lebe, gehe ich bei Netto immer alleine einkaufen. Natürlich kauft meine Freundin liebend gerne ein, eigentlich auch egal wo, nur zu Netto begleitet Sie mich nicht. Sie Mag es nicht wenn der Eingang verdreckt ist, sie von Werbung überflutet wird, nicht mehr ganz so frisches Obst in der Theke liegt und die Gänge von Ware verbaut sind, so dass Orientierung für Sie kaum möglich ist. Vor allem die wenig klare Struktur und damit einhergehenden vielen Aufbauten, stören.

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Ostern an der Kasse in allen Größen, DVDs auf dem Kassenband und Itunes Geschenkkarten direkt davor (die Kasse wird offensichtlich so selten gebraucht, dass sie zum Regal umfunktioniert wurde). Fehlende Bilder im Zigarettenträger und eine Fülle von Preisschildern an der Decke die „helfen“ sollen einen Überblick zu geben, wo Haribo neben Ültje vor den Babywindeln und neben dem „Wühltisch“ (Aktionsfläche) steht.
Natürlich tut mir das Leid, denn ich weiss was die Märkte bieten könnten. Allerdings stelle auch ich immer wieder fest, dass alle Beteiligten bei der Umsetzung des im Kern guten Konzeptes Schwierigkeiten haben und die Qualität überall leidet.

Überladenes Konzept und schlechtes Marketing

Die Listung von Markenartikeln und der Fokus auf Frische waren langezeit ein deutlicher Wettberwerbsvorteil gegenüber anderen. Auch den Aufbau der klassischen Netto Märkte empfinde ich noch heute besser als den der Discount Kokurrenz. Erst Obst dann Molkerei, Wurst und am Ende Fleisch unstreichen den Frische Fokus des Unternehmens. 20160205_153031

Aber, jeder Handgriff eines Mitarbeiters kostet Zeit, die ihm fehlt sich auf die wichtigen Sachen zu konzentrieren. Zeit für die Obst und Gemüse Abteilung zu haben anstatt Deckenhänger auf und ab zu hängen wäre ein erster Schritt zu einer saubereren Linie. Das Beispiel links zeigt die Schwierigkeiten. Das Eier „frisch“ sind, sollte aus Marketing Sicht nun wirklich kein Kriterium sein was den Kunden zum Kauf bewegt. Dieses dann auch noch doppelt zu kommunizieren (Deckenhänger und Topschild) löst dann schon eher unverständnis aus. Das die Eier aus Deutschland kommen sollte dazu zwar eigentlich selbstverständlich sein, vor allem aber wirkt diese Darstellung eher wie Werbung aus dem ersten Teil des letzten Jahrhunderts. Der einzig sinnvolle Hinweis „täglich frisch“ geht an der Decke total unter und stimmt natürlich auch nur theoretisch. Neben dem das es auf dem Bild durch die ganzen Lücken und die viele Wand aussieht wie in schlechten Zeit, ist dies nur ein Beispiel von vielen die belegen, dass nicht nur die Angestellten in den Märkten den Überblick verloren haben.

Netto testet neue Konzepte – aber am Problem vorbei

Die oben beschriebene Problematik hat die Netto Geschäftsführung mitlerweile erkannt und so testet Sie zur Zeit in Hamburg Rahlstedt ein neues moderneres Konzept. Das aber selbst die Lebensmittelzeitung (die darüber berichtete) von einer eher „moderaten“ Modernisierung spricht, lässt mich vermuten, dass die Erfinder des alten Konzepts zu stark in die Entwicklung des neuen Konzeptes eingebunden waren. Graue statt weiße Tiefkühltruhen und ebenfalls graue statt rote Preisleisten sprechen dabei nicht für wirklich viel für Innovation und zeigen eher, dass man sich seiner Sache nicht mehr so sicher ist.
Eigentlich möchte man meinen es ist gar nicht so schwer, denn LIDL und ALDI machen es ja vor, saubere Gänge, klare Linien und kaum Ablenkung. Man könnte sich also etwas wesentliches abschauen. In Vergleichsbild findet man hier. Ich hoffe die Ähnlichkeit zu den grauen Preisleiten sowie Truhen bei Aldi ist reiner Zufall…

Klare Linien durch Reduktion – ein Gruß an die Geschäftsführung

Das Netto ein gutes Konzept hat, erwähnte ich bereits. meines erachtens hat es auch weiterhin Wettbewerbsvorteile und es gibt wenig Notwendigkeit Kleinigkeiten vom Wettbewerb zu kopieren. Schaut man sich eine Neueröffnung an, so wird klar, auch Netto kann schön. Der einzige aber gewaltige Unterschied zu den großen der Branche ist, dass Netto dieses Niveau fast nie halten kann. Die Vielzahl an Artikeln kombiniert mit einer Masse von ständig wechselnden Werbemitteln und dazu eine sehr schmale Besetzung der Filialen werden auch bei „grauen Truhen“ wieder dazu führen, dass die Mitarbeiter keine Zeit haben diese sauber und klar einzuräumen. Anstatt neuer Ladenkonzepte wäre es gut sich wieder auf die Kernthemen zu fokussieren und den Mitarbeiter auch die Möglichkeit zu geben diese umzusetzen. Wenn Sie beim Reduzieren Schwierigkeiten haben, weil Sie Reiseangebote genauso wichtig finden wie Rabattaktionen auf Itunes Gutscheine, dann kommen Sie gerne auf mich zu. Das herausfiltern von überflüssigem fällt mir mit mehr und mehr Abstand immer leichter.
Ich bin gespannt wie Sie sich langfristig vom Wettbewerb angrenzen wollen, denn Markenartikel haben mitlerweile ja bekanntlich auch die anderen. Graue Preisleisten werden dabei kaum helfen…

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