Vier Gewinnt! Und warum wir uns das merken sollten.

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Wie viel kann unser Gehirn eigentlich gleichzeitig verarbeiten?

Fasst täglich erlebe ich es selber, ich bekomme von verschiedenen Seiten Information und verarbeite diese. Zu Beginn ist es kein Problem, aber je mehr Informationen es werden, desto schwieriger wird es und desto eher bekomme ich das Gefühl der Überforderung. Diese Überforderung lähmt, aber leider nicht nur die Verarbeitung der letzten Information, sondern Sie wirkt sich hinderlich auf alle meine aktuellen Prozesse aus. Mein Arbeitsverhalten wird ineffizient. Wenn ich jetzt wüsste, wie viele Informationen ich gleichzeitig verarbeiten kann ohne das meine Leistung nachlässt, dann könnte ich mich dementsprechend organisieren. Gibt es dafür eine Faustregel?

Unser Alltag und gewisse Regelmäßigkeiten

Egal ob Norden, Süden, Osten, Westen, oder Kreuz, Karo, Pik und Herz, die Zahl Vier ist beim nachdenken die höchte Zahl zu der mir unzähle praktische Verknüpfungen einfallen. Beispiele wie „Vier Gewinnt“ oder der Blick auf unsere „vier Jahreszeiten“ zeigen, dass die Zahl Vier in unserem Alltag eine feste Größe ist. Aber hat dies auf Einfluss auf mein täglichen Handeln?
Mir scheint es lassen sich beliebig viele Beispiele finden, in der die Zahl Vier den Rahmen bildet. Klassiker sind natürlich, ein Haus hat vier Ecken, unser Auto vier Räder, die Bremer Stadtmusikaten sind spanenderweise ebenfalls zu viert und die „Fantastischen 4“  haben dieses Jahr bei the Voice of Germany als Coaches die Show gewonnen und natürlich gab es dabei genau drei Gegner. Ist das alles Zufall oder hat es vielleicht etwas damit zu tun wie viele Variablen wir gleichzeit verarbeiten können ohne das unsere Konzentrationsfähigkeit leidet?

Wenn Ihr mal selbst darüber nachdenkt welche Beispiele euch zur Zahl Vier einfallen, dann kommt Ihr womöglich auf viele verschiedene. Auch für die Zahl Drei oder Zwei funktioniert dies ohne Probleme. Beispiele könnten sein, die drei Musketiere oder die zwei Haudegen aus „Vier Fäuste für ein Halleluja“ (Achne moment, „Vier“ hatten wir ja schon).
Wie dem auch sei, unser Gedächtnis scheint sich ein Ereignis in Kombination mit vier oder weniger Variablen leicht merken zu können. Aber wie steht es eigentlich mit höheren Zahlen, z.B. der Fünf?
Natürlich kennen wir alle noch die „Fünf Freunde“, aber wie waren noch mal deren Namen? Bei TKKG fällt es uns schon leichter, Tim, Karl, Klößchen, Gabi – was einerseit wieder an den vier Variablen liegen kann oder aber auch am Namen des Hörspiels selbst. Ein weiteres Beispiel wären die fünf Elemente, aber bekommt ihr Sie zusammen? Die alten Griechen seinerzeit hatten passenderweise nur vier Elemente definiert: Erde, Feuer, Wasser, Luft. Gut, vielleicht war Metall noch nicht so relevant wie heute, dennoch passt das Beispiel schön in den Kontext. Auch der bekannte Spruch „das fünfte Rad am Wagen“ bekommt in diesem Zusammenhang eine ganz andere Bedeutung.

Das Arbeitsgedächtnis ist begrenzt

Die Situation mit der wir uns alle jeden Tag konfrontiert sehen, ist das wir von vielen Informationen gleichzeitig erreicht werden. Manche steuern wir selber, manche kommen unaufgefordert. Egal auf welchem Wege sie uns erreichen, wir beginnen immer automatisch Informationen zu verarbeiten und zu bewerten um am Ende eine Handlung für uns selbst abzuleiten. Dabei kennen wir alle das Gefühl unsere persönliche Grenze zu erreichen, welche sich in Form von Überforderung bemerkbar macht.

Graeme S. Halford, Rosemary Baker, Julie E. McCredden und John D. Bain (Psychological Science, 16/1, 2005) haben in einem Versuch untersucht, bei wie vielen Variablen wir bei der Lösung von Problemen in Schwierigkeiten geraten. Die Ergebnisse sind sehr interessant und können uns eine Empfehlung für den Alltag sein. Der Versuchsaufbau lautete wie folgt:
30 Studierende und Akademiker sollten Balkendiagramme interpretieren: Die Höhe der Balken gab wieder, wie beliebt verschiedene Kucheneigenschaften sind, zum Beispiel Schokoladen- oder Karottengeschmack, frisch oder tiefgefroren. Die Abbildungen wurden zusätzlich auch schriftlich erklärt. Wenn etwa der Balken für „frischen Schokoladenkuchen“ höher war als der für „tiefgefrorenen Karottenkuchen“, so lautete die Beschreibung: „Menschen bevorzugen frischen gegenüber tiefgefrorenem Kuchen.“ Wie stark die Probanden nun aber den frischen dem tiefgekühlten Kuchen vorzogen, hing von der Geschmacksrichtung ab. Aber in welcher Weise? Die Antwort ging aus dem Diagramm hervor. Ob die Versuchspersonen die Balken richtig zu interpretieren wussten, testeten die Forscher, indem sie sie den folgenden Satz ergänzen ließen: „Der Unterschied in der Bevorzugung von frisch und gefroren ist für Schokoladenkuchen größer/kleiner als für Karottenkuchen.“

Die Anzahl der Informationen welche es zu berücksichtigen galt steigerten die Wissenschaftler von, wie oben beschrieben zwei, auf bis zu fünf. Wärend die meisten Probanden bei der Interpretation von zwei oder drei Variablen kaum Probleme hatten, so lies die Zahl der richtigen Ergbnisse bei vier Informationen schon deutlich nach. Bei fünf Variablen hatten die meisten Probanden keine Chance mehr die Diagramme richtig zu interpretieren. Viele von Ihnen sprachen von“ ich verliere dabei Informationen“ oder „das wird mir zu viel“.

Strukturieren Sie sich, auch für Ihren Gegenüber!

Was uns dieser Versuch sehr schön und einfach zeigt, ist dass unser Gehirn bei der Kombination von mehreren Variablen relativ schnell die Grenze erreicht, an der der Mensch das Gefühl der Überforderung erreicht (wir kennen das alle). Nun klingt vier Informationen zunächst recht viel oder ausreichend, aber wir dürfen nicht vergessen, dass unser Gehirn ständig mit Informationen gefüttert wird und wir diese direkt verarbeiten. Sind dies nur ein oder zwei dauerhafte Problemstellungen, Gedanken die uns mehrere Stunden/ Tage beschäftigen, so haben wir je nach Intensität oder Konzentrationsfähigkeit nur noch einen stark eingeschränkten Arbeitsspeicher zur Verfügung. Wenn wir dies wissen, dann können wir uns im Laufe des Tages so organisieren, dass wir eine nach der anderen Information abarbeiten. Nicht umsonst ist die „To Do“ Liste ein Begleiter vieler Menschen um der vielzahl an Informationen und daraus Aufgaben her zu werden. Den Arbeitsspeicher im Kopf leeren um effizient seine Aufgaben erledigen zu können ist immer das Ziel.

Wenn Sie dies nun wissen und sich selbst so strukturieren, so vergessen sie aber bitte nicht ihren Gegenüber. Auch dieser hat nur begrenzte Kapazitäten. Viel zu oft erlebe ich Situationen in denen beliebig viele Informationen zum Gegenüber gesendet werden ohne darauf zu achten ob der jenige Zeit hatte Sie zu verarbeiten und so überhaupt wieder bereit ist für neue. Achten Sie also beim nächsten Meeting in der Firma, Telefonat mit Freunden oder auch bei Kaffeeklatsch mit der Familie mal darauf wie viele Infromationen Sie senden (und empfangen). Das positive dabei ist ja, dass wir beliebig viele Informationen nacheinandern verarbeiten können. Also gegen Sie sich um Ihrem Gegenüber die Zeit dafür. Weniger ist eben auch in diesem Fall mehr.

 

 

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2 Gedanken zu “Vier Gewinnt! Und warum wir uns das merken sollten.

  1. Das ist richtig und trotzdem manchmal nicht einfach.

    Ganz wichtig finde ich den Satz im letzten Absatz: „Wenn Sie dies nun wissen und sich selbst so strukturieren, so vergessen sie aber bitte nicht ihren Gegenüber.“

    Als Journalist bekomme ich immer mehr Inhalte über immer mehr Informationskanäle. Die Inhalte werden dadurch nicht besser. Leider investieren immer mehr Unternehmen aber auch Institutionen in Masse statt Klasse. Wiederholungen prägen sich ja auch eher ein. Besser informiert sind die Menschen dadurch leider nicht.

    Manchmal habe ich den Eindruck, das das bei einzelnen Informationsquellen durchaus so gewünscht ist.

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